Selbstbau · Sommer-Überschuss

Solardörrer
Rohkostqualität bei 40–42 °C

Die Wärme kommt gratis vom Sonnenkollektor, ein ESP32-geregelter Lüfter hält die Temperatur konstant unter der Rohkost-Grenze. Läuft direkt an der 24-V-Busbar — ohne Wechselrichter.

41 °C
geregelt
~60 Wh
pro Dörrtag
0,64 m²
4 Etagen à 40×40
~180 €
Material
Warum solar und nicht elektrisch?
Der größte Energieposten beim Dörren ist nicht das Aufheizen, sondern das Verdampfen des Wassers — und der ist temperaturunabhängig.
Verdunstungsenthalpie
0,67 kWh
pro Liter Wasser — egal bei welcher Temperatur
Charge 2,5 kg Obst
~2,0 l
Wasser (85 % → 20 % Restfeuchte)
Wärmebedarf
~1,8 kWh
1,36 kWh Verdunstung + Verluste
PV-Überschuss
1,5 kWh
pro Tag im Sommer
Die Konsequenz: Eine Charge elektrisch zu dörren würde den kompletten Tagesüberschuss der Anlage auffressen — auch bei niedriger Temperatur. Beim Solardörrer liefert dagegen der Kollektor genau diese Wärme kostenlos; aus der Batterie kommt nur der Strom für den Lüfter (~5–10 W).

Für Rohkost ist der Kollektor ohnehin eher zu stark als zu schwach: Bei Sonne erreicht er 50–60 °C. Er muss also gebremst werden — und genau das erledigt die Lüfterregelung, die gleichzeitig die Trocknung beschleunigt.

Schnitt durch Kollektor und Dörrschrank
Die Luft wird unten am Kollektor angesaugt, erwärmt sich über dem schwarzen Absorber und strömt von unten nach oben durch die Roste. Der Lüfter sitzt oben und saugt ab — das verteilt die Luft gleichmäßiger als Drücken von unten.
So funktioniert es Die Luft wird unten am Kollektor angesaugt, erwärmt sich über dem schwarzen Absorber und strömt von unten nach oben durch die Roste. Der Lüfter oben saugt ab und regelt über die Drehzahl die Temperatur auf 41 °C. Luftspalt 4 cm Absorber schwarz Dämmung 2-3 cm Zuluft Insektengitter Edelstahl Etage 4 Etage 3 Etage 2 Etage 1 je 40 x 40 cm Abluft + Lüfter 24 V S2 S1 Verteilraum 15 cm 65 cm 50 cm Kollektor 100 cm (x 80 cm breit) 33° Neigung LEGENDE Absorber (schwarz) Glas / Polycarbonat Holz 18 mm Warmluft SHT31 (Temp + Feuchte) S1 Verteilraum = Regelgröße S2 Abluft = Feuchtevergleich
BauteilMaßAnmerkung
Dörrschrank50 × 50 × 65 cmAußenmaß bei 18-mm-Platten, innen 46 × 46 cm
Etagenabstand9 cmDörrgut + Zirkulation, 4 Ebenen auf Leisten 15 × 15 mm
Verteilraum unten15 cmsorgt für gleichmäßige Anströmung aller Etagen
Sammelraum oben10 cmvor dem Lüfter
Kollektor80 × 100 cm0,8 m², Luftspalt 4 cm, Ausrichtung Süd
Neigung30–35°Sonnenhöhe Römerberg im Sommer ~57° → 90° − 57° ≈ 33°
Dörrdauer: 1,5–3 Tage bei 6 Sonnenstunden — bei 40 °C dauert es 2–3× länger als bei 70 °C, das ist bei Rohkost normal. Nur tagsüber dörren und das Dörrgut nachts luftdicht wegpacken, sonst zieht es die Feuchtigkeit wieder an. Nachts elektrisch zuheizen lohnt nicht: 25 K Differenz zur Nachtluft kosten ~1 kWh.
Stückliste
Zum Abhaken beim Einkaufen — der Fortschritt wird im Browser gespeichert. Mit Recyclingmaterial (altes Fenster als Abdeckung, Styrodur-Rest vom Batteriesockel) wird es deutlich günstiger.
0 / 13 Teile

Dörrschrank

Multiplex / Siebdruck 18 mm
~1,5 m² — Seiten 50×65, Rückwand, Tür, Boden/Deckel 46×50
30 €
Leisten 15 × 15 mm
~4 m für die Rostauflagen
5 €
4× Edelstahl-Rost 40 × 40 cm
Backofen-/Kuchengitter oder Edelstahl-Streckmetall — kein verzinktes Gitter!
30 €
Scharniere, Riegel, Dichtband
für die Tür
10 €
Insektengitter Edelstahl
Zuluft + Abluft
5 €

Kollektor

Rückwand + Rahmen
Platte 80 × 100 cm, Latten 40 × 50 mm
20 €
Absorber-Blech
Alu/Stahl 80 × 100 cm, matt schwarz (hitzebeständiger Ofenlack)
15 €
Abdeckung Polycarbonat 4 mm
80 × 100 cm — oder ein altes Fenster (0 €)
30 €
Dämmung Styrodur 2–3 cm
0,8 m² — Rest vom Batteriesockel
0 €

Elektronik

PWM-Lüfter 24 V, 120 mm
4-polig (PWM-Eingang), 50–100 m³/h
12 €
2× SHT31 (Temp + Feuchte)
I²C — Sensor 2 mit ADDR auf 3V3 → Adresse 0x45
13 €
Sicherung 2 A + Halter
am Busbar-Abzweig
4 €
Kabel 0,5 mm² + Kleinteile
ESP32 ist vorhanden
10 €
Der Lüfter ist die „Kühlung"
Ein PID-Regler in ESPHome hält 41 °C, indem er die Lüfterdrehzahl steuert. Mehr Luft heißt kühler und schneller getrocknet — beide Effekte ziehen in dieselbe Richtung, deshalb bleibt die Regelung so einfach.
# Anschluss direkt an die 24-V-Busbar — kein Wechselrichter nötig
Busbar +  ──[ Sicherung 2 A ]──►  Lüfter 24 V (+)
Busbar −  ─────────────────────►  Lüfter (−) · GND
                                   PWM-Pin ◄── ESP32 GPIO4 (25 kHz)
ESP32-Versorgung: 5 V vom DDR-30G-5
SHT31: SDA=GPIO8, SCL=GPIO9, 3V3, GND
ZustandLüfterWirkung
< 40 °Clangsam (min. 25 %)Wärme staut sich, Trocknung läuft trotzdem immer
40–42 °CmittelZielbereich, Rohkostqualität gewahrt
> 42 °Cschnellerkühlt und trocknet zugleich
> 45 °CVollgas + WarnungAbluftklappe öffnen / Kollektor beschatten

Der 4-polige Lüfter wird mit 24 V versorgt; der ESP32 gibt nur das PWM-Signal. 3,3 V reichen bei den meisten Lüftern — regelt er nicht, kommt ein Level-Shifter auf 5 V dazwischen. Fertige Konfiguration: docs/esphome-doerrer.yaml

Die Luftfeuchte verrät, wann es durch ist
Zwei Sensoren messen Zu- und Abluft. Solange Wasser verdunstet, ist die Abluft deutlich feuchter. Fällt die Differenz gegen null, ist das Dörrgut trocken — viel zuverlässiger als jede Zeitschätzung.
S1 — Verteilraum
Regelgröße
heißeste Stelle, hier dürfen 42 °C nicht überschritten werden
S2 — Abluft
Feuchte
Vergleichswert für die Trocknungsrate
Schwelle „fertig"
< 0,5 g/m³
30 min lang, dann Push-Nachricht
Wichtig: Verglichen wird die absolute Feuchte in g/m³ (Magnus-Formel in der ESPHome-Config). Die relative Feuchte wäre wegen der Temperaturdifferenz zwischen Zu- und Abluft irreführend — warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen, dieselbe Wassermenge ergäbe also unterschiedliche Prozentwerte.
Die drei häufigsten Fehler beim Selbstbau

⚠ Unbedingt beachten

  1. Kein verzinktes Gitter. Zink geht bei Wärme und Säure ins Dörrgut über. Nur Edelstahl oder lebensmittelechtes Kunststoffgewebe.
  2. Kein druckimprägniertes Holz und innen kein ausgasender Lack. Unbehandeltes Holz oder lebensmittelechtes Öl.
  3. Absorberlack ausgasen lassen. Hitzebeständigen Ofenlack verwenden und den Kollektor vor der ersten Charge mehrere sonnige Tage leer laufen lassen — die Luft strömt direkt über den Absorber ins Dörrgut.

Zu- und Abluft mit Insektengitter sichern · Dörrgut muss ledrig-trocken sein, sonst schimmelt es im Vorratsglas.

Richtwerte für Kräuter, Pilze und Tomaten
Richtwerte für die vier häufigsten Sorten — bezogen auf 4 Etagen à 40 × 40 cm und einen Sonnentag mit ~6 Stunden Ertrag.
DörrgutWasserMenge/ChargeTemperaturDauer
Kräuter
Basilikum, Minze, Thymian
~80 %200–400 g35–40 °C 4–8 h
halber Tag
Pilze
3–5 mm Scheiben
~90 %1,5–2 kg40–45 °C 8–14 h
1,5–2 Tage
Tomaten
Scheiben, gesalzen
~94 %1,5–2 kg40–55 °C 14–24 h
2–4 Tage bei 40 °C
Äpfel
Referenz der Auslegung
~85 %2,5 kg40–42 °C 12–18 h
2–3 Tage
Tomaten — drei Temperaturstufen

Mit 94 % Wassergehalt sind Tomaten das nasseste Dörrgut. Je nachdem, ob dir Rohkostqualität oder Tempo wichtiger ist, stellst du die Zieltemperatur in Home Assistant um:

StufeTemperaturDauerErgebnisSolar machbar?
Rohkost40–42 °C2–4 Tage Enzyme bleiben erhalten; Grenzfall, weil lange feucht ✓ immer
Schonend empfohlen 50–55 °C12–18 h bewährter Klassiker, kräftiges Aroma, deutlich sicherer ✓ bei guter Sonne
Zügig60–70 °C6–10 h ein Tag, aber spürbarer Aroma- und Vitaminverlust ✗ nur mit Zuheizung
Warum höhere Temperatur überproportional schneller trocknet: Luft kann bei 40 °C rund 51 g Wasser pro m³ aufnehmen, bei 55 °C schon ~104 g — also doppelt so viel. Der PID-Regler drosselt für die höhere Zieltemperatur zwar den Lüfter, doch jeder Kubikmeter Luft trägt dafür deutlich mehr Feuchte hinaus. Unterm Strich halbiert sich die Dörrzeit fast.
Vier Praxisregeln
RegelWarum
Nicht mischenAromen wandern über die Luft — Kräuter neben Pilzen ergibt Pilze mit Thymiangeschmack. Immer sortenrein dörren.
Etagen rotierenUnten kommt die wärmste, trockenste Luft an, oben ist sie schon feuchter. Nach der halben Zeit die Roste tauschen — dann wird alles gleichmäßig.
Kräuter abdeckenSie sind federleicht und werden vom Luftstrom weggeweht. Ein feinmaschiges Netz oder zweites Gitter obendrauf.
Tomaten salzenZieht Wasser heraus und hemmt Keime — wichtig, weil sie bei 40 °C tagelang feucht bleiben. Nur an stabilen Schönwetterphasen starten.
Fertig? Der Fingertest
DörrgutRichtig getrocknet fühlt sich an wie…
Kräuterrascheln trocken, zerbröseln zwischen den Fingern
Pilzebrüchig — sie brechen, statt sich zu biegen
Tomatenledrig-biegsam, nicht mehr feucht oder klebrig
Äpfelledrig, beim Zusammendrücken tritt kein Saft aus
Ein Vorteil dieser Bauform: Das Dörrgut sieht kein Sonnenlicht — nur der Kollektor ist verglast, der Schrank ist geschlossenes Holz. Direktes Licht bleicht Kräuter aus und zerstört Aroma. Deshalb liefert dieser Aufbau deutlich bessere Ergebnisse als Trocknen „in der Sonne".